VanMoof Konkurs – Zu viel gewollt?

Mit VanMoof steht eine weitere digitale (vermeintliche) Erfolgsgeschichte vor dem Aus. Der eBike Anbieter meldet Konkurs an und schließt alle Filialen. Scheinbar logische Konsequenz, nachdem dieser bereits Ende 2022 eine Insolvenz abgewendet hat. Der Fahrrad-Markt im Allgemeinen hat momentan ganz schön zu kämpfen, doch bei VanMoof kommen noch ein paar weitere Komponenten dazu, die zur Krise besonders beitragen. Und jetzt bei den Kunden viele Fragen aufwirft.
VanMoof E-Bike steht neben Person an einem Geldautomaten in Amsterdam

Denn VanMoof wollte den E-Bike Markt mit einem proprietären Geschäftsmodell aufmischen. Heißt: Alles aus einer Hand – nicht nur mit eigener Plattform und App, sondern auch mit allen Bikes und Ersatzteilen, die man selbst produziert hat. Reparaturen gab’s in den eigenen Shops beziehungsweise Werkstätten. So konnte man theoretisch also eine geradlinige Versorgungskette feststellen: Nur begrenzt einzelne Teile produzieren, Kunden müssten nicht lange darauf warten. Nur: 2022 stieß man aufgrund von verzögerten Lieferketten auf Probleme. Da man alles selbst produzierte, konnte man eben nicht auf andere Hersteller zurückgreifen.


Licht nur über App steuerbar

All die Vorteile, die Kunden in den Jahren erst zu VanMoof gelockt haben, stellen sich jetzt im Konkurs-Fall als Fliegenfalle heraus. Viele Features, wie etwa das Einstellen des Lichts oder der Motorunterstützung, wurden über die App gesteuert. Fahren kann man die Räder jetzt also noch, aber viele Feinheiten sind nicht mehr verfügbar. Ein noch größeres Problem könnten aber die Ersatzteile werden. Denn da alles proprietär aufgebaut ist, gibt es Stand jetzt keine Möglichkeit, Ersatzteile abseits von VanMoof zu erhalten. VanMoof kam mit der Produktion bereits jetzt nicht hinterher, also ist es mehr als fraglich, ob überhaupt noch Teile existieren. Im Zweifel bleibt man also auf kurz oder lang auf seinem Bike im Wert eines Kleinwagens sitzen.

Bei der App gibt es zumindest jetzt schon andere E-Bike Hersteller, die einspringen und es Kunden ermöglichen, mit ihrer App den digitalen Schlüssel ihres Rad auszulesen. So haben sie zumindest wieder Zugriff auf die digitalen Features. Wie das bei den Ersatzteilen aussieht, ist schwieriger zu beantworten. Ob es lukrativ für einen anderen Hersteller ist, die Patente und Lizenzen aufzukaufen, um die VanMoof Kunden an sich zu binden? Wäre zumindest eine Gelegenheit, sich einen Schwung an Neukunden zu sichern.


Wie kam es soweit?

Doch wie hat sich VanMoof in diese Lage manövriert ? Wie eingangs erwähnt, geht es dem Fahrradmarkt allgemein gerade eher schlecht, auch etablierte Händler klagen über Umsatzeinbrüche. Auf der einen Seite steht da natürlich die Inflation, aber es liegt sicherlich auch am Fahrrad-Hype aus Lockdown-Zeiten. Damals gingen die Zahlen steil nach oben, weil viele Verbraucher sich mit klassischen, aber auch elektrischen Bikes eindeckten. Diese erhöhte Nachfrage konnte sich in den folgenden Jahren nicht aufrechterhalten. Und wenn dann Versorgungs- und Lieferketten einbrechen, haben gerade kleinere Hersteller ein Problem. Und wenn man dann auch nur die eigenen Teile verbauen kann, steht man eigentlich vor einer unlösbaren Aufgabe.

Hat VanMoof vielleicht zu sehr auf Marketing und auf eine schicke Marke gesetzt, statt die Produktion vernünftig zu skalieren? Immerhin hatte man in diesem Jahr versucht, mit einem deutlich günstigeren Modell Neukunden zu erreichen. Also gab es Bemühungen, das Schiff noch zu drehen.


Was bedeutet das für Andere?

Ist das jetzt ein Zeichen dafür, dass man von proprietären Geschäftsmodelle absehen sollte? Nein, ganz und gar nicht. Richtig umgesetzt, kann man seinen Gewinn maximieren, weil man mit niemandem teilen muss. Auf der anderen Seite sollte man dabei seine Branche richtig auswählen. Im Fahrradmarkt setzen auch die ganz großen wie Lekker jetzt auf eBikes, nur das man bei anderen Herstellern nicht nur auf eine Ersatzteilmarke angewiesen ist. Bosch hat eine App entwickelt, mit der man eine ganze Reihe von Bikes, Herstellerunabhängig einrichten und anpassen kann. Und auch günstigere eBikes für Einsteiger sind inzwischen am Markt, wie etwa das Sushi Bike, gebackt von Joko Winterscheidt. Hier hatte VanMoof wohl das Problem, dass man sich nicht mehr herausstellen konnte.

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