Logistik und Künstliche Intelligenz: Eine Wunsch-Ehe?

Wenn es um Künstliche Intelligenz (KI) geht, hat jede Person andere Begriffe im Kopf. Und jeder hat eine Meinung dazu. Aber mal abseits von Meinung und Halbwissen: Wie weit ist die KI in der Logistik? Kommt sie bereits zum Einsatz oder ist das alles noch Zukunftsmusik? Spoiler: Wir sind hier schon weiter als viele wissen. Im Folgenden soll etwas Licht ins Dunkle gebracht werden.
Blick von oben auf Hafen Logistik mit vielen Containern und einem automatisierten Kran

Logistik als wichtiger Baustein im E-Commerce

 

Die Logistik ist einer der erfolgreichsten Wirtschaftszweige in Deutschland. Trotzdem hinkt sie in der Wahrnehmung vieler angeblich bei der Digitalisierung hinterher. Aber stimmt das wirklich? Die Antwort ist nein. Denn nicht nur, dass Deutschland in den 70ern als eines der ersten Länder im Bereich Logistik auf Computer gesetzt und frühzeitig Barcode-Scanner im Einsatz hatte – die erfolgreichen E-Commerce-Unternehmen hatten bei ihrer Logistikstrategie ebenfalls innovative Ideen umsetzen müssen. Denn die gestiegene Nachfrage, allen voran ein amerikanischer E-Commerce-Plattform-Riese namens Amazon und die Schnelligkeit, die der Online-Handel an den Tag gelegt hat, haben dazu geführt, dass die Logistik zwangsweise nicht stiefmütterlich behandelt werden konnte.

 

Wo wird KI in der Logistik bereits eingesetzt?

 

Das Potenzial ist also groß – schauen wir einmal auf fünf Einsatzgebiete, ihre Nutzung und ihre Funktionen:

1

Automatisierung der Lieferketten

In einer immer komplexer werdenden Welt sind reibungslose Abläufe bei Lieferketten ein Muss. Von der Bestellabwicklung über die Lagerhaltung bis hin zur Lieferung an den Kunden ermöglicht der Einsatz von Künstlicher Intelligenz eine effiziente und reibungslose Logistik. Es können Wegeoptimierungen für Lieferungen erstellt werden, um Zeit und Kosten zu sparen. KI-basierte Algorithmen ermitteln so die bestmögliche Artikel-Positionierung und geeignete Fixplätze. Eine deutliche Effizienzsteigerung ist das Ergebnis.

2

Prädiktive Analytik für Bestandsmanagement

Durch den Einsatz von Algorithmen und maschinellem Lernen können Lagerbestände genau überwacht und aufgefüllt werden, um Engpässe zu vermeiden. Der sogenannte “Inventory Forecast” minimiert Lagerhaltungskosten – Bestellungen von Kunden können zeitnah abgewickelt werden. Dabei spielt die Analyse verschiedener Daten eine große Rolle, wie beispielsweise Bestellhistorien aber auch Saison- und Wetter-Daten. Diese optimale Bestandsplanung spart nicht nur Zeit und Geld, sondern sorgt wegen geringerer “Out-of-Stock”-Raten auch für eine höhere Kundenzufriedenheit.

3

Selbstlernende Kommissionier-Roboter

Bereits häufig im Einsatz und von einigen Unternehmen entwickelt sind Kommissionier-Roboter. Dieser lernt, wie er welche Ware “anfassen” und in den Versandkarton packen muss. Er erlernt dabei Parameter, wie Größe, Gewicht, Zerbrechlichkeit, Abstand zu anderen Produkten im Karton und so weiter. Trainiert wird die Künstliche Intelligenz in Form eines Roboters durch das sogenannte “Reinforcement Learning”. Das bedeutet, dass dem Roboter Aufgaben gestellt oder Handlungen vorgegeben werden, für die der Roboter Lösungen entwickeln muss. So lernt er stets dazu.

4

Kommunikation durch Chatbots

Der Einsatz von Chatbots in der Lagerverwaltung ermöglicht neue, schnelle Wege, um für das Lager wichtige Informationen in Echtzeit zu erhalten und zu verarbeiten. Statusmeldungen zu Aufträgen, zum Transport, zur Auslastung im Lager oder zur Verfügbarkeit von Waren für den Kundendienst vereinfachen die Abwicklung von Bestellungen im E-Commerce. Die Kommunikation über Messages zwischen Kunde und System vermeidet Fehler bei der Übermittlung – der direkte Weg spart Zeit und Nerven. Geschulte Mitarbeiter zum Beispiel im Kundendienst können sich so die Zeit nehmen, die “schwierigeren Fälle” adäquat zu lösen.

5

Vereinfachtes Retourenmanagement

Das Retourenmanagement ist im E-Commerce noch immer ein großes Thema. Auch hier kann KI unterstützen: Es gibt mittlerweile Systeme, die durch den Einsatz von Kameras und neuronalen Netzen Artikel zuordnen können, bei denen beispielsweise die Artikelnummer oder sonstige Informationen fehlen. Nicht nur verbessert sich der Prozess durch den Wegfall von manueller Interaktion – auch eine entsprechende Dokumentation für den Kunden ist möglich.

 

Der Einsatz von KI erfordert geschultes Personal

KI in der Logistik ist nicht wirklich Zukunftsmusik – viele Unternehmen im E-Commerce haben solche KI-basierten Systeme bereits im Einsatz. Spannend ist jedoch vor allem ein Thema: Die Schulung und Ausbildung von Personal, welches die KI in der Logistik überwacht. Schließlich ist diese Technologie stellenweise noch sehr fehleranfällig. Jedoch ist das Potenzial durch Künstliche Intelligenz in der Logistik – und die dadurch gesteigerte Effizienz – verlockend. Denn vor allem im Lager, dem physischen Abbild des Online-Shops, mit seinen immer wiederkehrenden Aufgaben, scheint der Einsatz von KI sinnvoll und zukunftsträchtig.

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